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Historische Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten der Stadtgeschichte

Markgraf Dietrich III. von Landsberg (Regierungszeit 1156 - 1185), Markgraf der Ostmark (Niederlausitz)

Dietrichs Geburtsdatum ist unbekannt. Als zweitältester Sohn Konrads des Großen von Wettin, wurde er 1156 Markgraf der Ostmark. Seit dieser Zeit suchte er Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) häufiger auf. Dietrich unterstützte den Staufer gegen seinen Widersacher Heinrich den Löwen. Er nahm an verschiedenen Hoftagen teil und folgte Barbarossa mehrfach nach Italien. Während des fünften Italienzuges, den Friedrich I. im September 1174 angetreten hatte, begleitete Dietrich den Kaiser seit Ende des Jahres 1176.

Bei der Aussöhnung Barbarossas mit dem Papst 1177, soll Dietrich die, heute in der Doppelkapelle stehende Marmorsäule und einen Splitter vom Kreuze Christi als Geschenk erhalten haben. Zwischen 1160 und 1174 erfolgte der Bau seiner Burg in Landsberg. Jenseits der Schwarzen Elster stiftete der Wettiner das Zisterzienserkloster Dobrilugk. Markgraf Dietrich erkrankte auf dem Mainzer Hoffest, Pfingsten 1184 und starb zu Beginn des Jahres 1185. Neben seiner Witwe Dobronega hinterließ er eine Tochter namens Gertrud, die als Nonne in das Kloster Gerbstedt eintrat. Sein Sohn Konrad war bereits im Jahre 1175 bei einem Turnier getötet worden. Ein zweiter illegitimer Sohn namens Dietrich, wurde Geistlicher und Bischof von Merseburg. Markgraf der Ostmark wurde Dietrichs jüngerer Bruder Dedo.  

Markgraf Konrad von Landsberg (Regierungszeit 1190 - 1210), Markgraf der Ostmark (Niederlausitz)

Konrad wird erstmals in einer Urkunde seines Vaters Dedo aus dem Jahre 1174 erwähnt. Bereits 1185, als sein Vater mit der Ostmark belehnt wurde, legte man auch Konrad den Titel eines Markgrafen bei, obwohl er Dedo erst 1190 in sein Amt folgte. Als Kaiser Heinrich VI. 1195 die Mark Meißen einbehielt, war Konrad schließlich der einzige Wettiner mit reichsfürstlichem Rang. Von seinem Geschick hing die Macht des Adelsgeschlechtes deshalb besonders ab. Nach 1195 lag das Vogtamt des Petersberges, welches nach dem Willen Konrads des Großen von Wettin immer dem Ältesten der Familie zustehen sollte, in der Hand Konrads von Landsberg.

Diese neue Rangordnung im Hause Landsberg fand nicht zuletzt Ausdruck im Umbau der Basilika auf dem Landsberg zur herrschaftlichen Doppelkapelle (ca. 1195 - 1200). Als Grablege war die Doppelkapelle nicht gedacht. Konrad von Landsberg ist in Wechselburg, der väterlichen Stiftung beigesetzt. Konrad war mit Elisabeth, der Tochter des polnischen Herzoges Mieszko III. verheiratet. Aus dieser Ehe gingen ein Sohn, der nicht lange lebte, sowie die Töchter Mathilde und Agnes hervor. Nach Konrads Tod im Jahre 1210 übertrug Kaiser Otto IV. die Ostmark an Dietrich von Meißen, der dafür 15 000 Mark entrichtete.  

Mechtilt Gräfin von Sayn (1200 / 1205 - 1291), Geborene von Landsberg, Klosterstifterin und Wohltäterin

Die Urenkelin Konrads des Großen von Wettin, Mechtilt, wurde zwischen 1200 und 1205 geboren. Ihr Vater war Graf Dietrich von Sommerschenburg und Groitzsch, der nach der Übernahme der rheinischen Güter den Namen Landsberg annahm und Jutta, Landgräfin von Thüringen, ehelichte. Schon als Kind wurde Mechtilt aus politischen Gründen mit Heinrich III. von Sayn verlobt. Die Heirat erfolgte wohl 1215. Das Leben, das Mechtilt rund 30 Jahre lang an Heinrichs Seite führte, war erfüllt von den Aufgaben und Pflichten, die der große Güterbesitz und die Verwaltung der Saynschen Herrschaftsgebiete mit sich brachten. Es war stark geistlich geprägt und führte zu Begegnungen mit religiösen Persönlichkeiten, vor allem des Zisterzienserordens.

Neben Einrichtungen der Zisterzienser, förderte Mechthilt aber auch solche der Franziskaner, Dominikaner, Prämonstratenser und des Deutschen Ordens. Darüber hinaus engagierte sie sich für Minnesänger, v.a. Reinmar von Zweter. Nach dem Tode Heinrich III. und der gerade geborenen einzigen Tochter im Jahre 1247, mußte Mechtilt das saynische Erbe gegen verschiedene Widersacher behaupten. In ihrem, im Jahre 1283 verfaßten Testament begünstigte sie weniger ihre Verwandten, als vielmehr ihre Ordensstiftungen und andere Klöster, ihre treuen Mägde und Knechte und die Armen im Lande. Mechtilt starb 1291, vermutlich in Köln, wo sie begraben liegt.  

Familie Tham (16. - 18. Jahrhundert), Gastwirte, Bürgermeister, Ratsglieder und Viertelsmeister

Die ältesten in Landsberg lebenden Vertreter der Familie Tham waren Martinus Tham (1587 im Erbbuch des Schiecken von Reinsdorf genannt) und Hans Tham (ca. 1555 - 1632), Sohn des Sylvester Tham, "Rathsperson zu Wurzen". Hans Tham war Bürgermeister und Gastwirt in Landsberg. Sein Sohn Sebastian führte die Linie der Besitzer des Landsberger Gasthofes "Zum Pelikan" fort, war 1648 Ratsglied und ab 1659 auch Bürgermeister. Vollrath Tham, Sohn Sebastian Thams, ging um 1650 nach Schweden und begründete dort eine noch heute existierende Linie der Familie Tham.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1693 weist Gottfried Tham als Besitzer des Gasthofes "Zum Pelikan" aus. Georg Tham wird im selben Jahr als Viertelsmeister (Vorsteher eines Stadtviertels) genannt. Darüber hinaus waren Vertreter der Familie Tham Wirte im Ratskeller, im Gasthof "Zum weißen Schwan" und in Gollma. Die Familie Tham ist in Landsberg bis ins 18.Jahrhundert nachweisbar. Im Jahre 1752 heiratete der Witwer Johann Gottfried Tham, Besitzer des Gasthofes "Zum Pelikan".  

Karoline Gerstner (1773 - 1824), Harfenspielerin

Im Jahre 1773 wurde Karoline Gerstner als jüngste Tochter des Leinewebers und Wollspinners Johannes Gerstner in Landsberg geboren. Wie schon ihr Vater und ihr Großvater, der Glöckner und Musikus Georg Gerstner, hatte auch Karoline eine besondere Begabung für die Musik. Obwohl im Hause Gerstner nicht eben Wohlstand herrschte, tat Johannes Gerstner alles um das Talent seiner Tochter zu fördern. So kaufte er ihr eine Harfe, auf der sie es bald zu großer Fertigkeit brachte. Auch ihre Stimme erregte, trotz Mangels an Gesangsunterricht, in Landsberg und Umgebung Aufsehen.

Bald traten Vater und Tochter Gerstner während der Leipziger Messen in den dortigen Kaffeehäusern auf. Zu den Gästen der Konzerte gehörte eines Tages auch der Student Karl Friedrich Lucius, der Karoline vor den Zudringlichkeiten eines Engländers schützte und mit dem sie sich 1795 vermählte. Nun hörte Karoline Gerstner auf, in den Kaffeehäusern zu spielen und gab statt dessen Stunden in Gesang und Harfenspiel. Als Karl Friedrich Lucius, 1799 schwer erkrankte und starb, widmete sich Karoline bis zu ihrem Tode 1824 der Pflege ihres Vaters und der Erziehung ihrer beiden Söhne.

Gottlieb Hiller (1778 - 1826), Naturdichter

Am 20. Oktober 1778 wurde Gottlieb Hiller in Landsberg geboren, wohin es seinen Vater, einen einfachen Fuhrmann aus dem Erzgebirgischen verschlagen hatte. Jener Hansjörge Hiller starb bald nach der Geburt des Kindes und Gottliebs Mutter heiratete den Drescher Andreas Belger, der Weib und Kind mit in seine Vaterstadt Köthen nahm. Mit 16 Jahren verdingte sich Hiller zunächst als Fuhrknecht. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt durch das Fertigen von Fußmatten, Körben und Taubennestern. Zeitgenössische Abbildungen zeigen sein Konterfei stets über der Leier des Dichters zwischen Lehmziegeln und Taubennestern.

In seiner Freizeit las Hiller alles, was ihm in die Hände fiel. Schließlich begann er selbst zu schreiben. Sein erstes Gedicht "An eine grüne Schote", wurde zu Hillers besonderer Freude in den "Bernburger wöchentlichen Anzeigen" abgedruckt. Durch freundliche Gönner wurde Hiller in der Köthener Gegend mehr und mehr bekannt. Sein erster Gedichtband erschien 1805 in Köthen. Der in vielen Fürstenhäusern vorgezeigte Hiller, erwarb sich die Sympathie seiner Dichterkollegen allerdings weniger wegen seiner Dichtkunst, als vielmehr wegen seines natürlichen Wesens. Über seine zahlreichen Reisen durch Sachsen, Böhmen, Ungarn und Österreich berichtete Hiller in einer "Reisebiographie" in Briefform.

Hillers gesammelte Gedichte erreichten zu seinen Lebzeiten immerhin vier Auflagen. Gottlieb Hiller, der nach dem Tod seiner Eltern Köthen verlassen hatte, lebte eine zeitlang im oberschlesischen Ratibor. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Dichter in Bernau bei Berlin, wo er am 9. Januar 1826 verstarb. 

Richard Zeising (1847 - 1932), Forstmeister

Am 23. August 1847 wurde der spätere Forstmeister Richard Zeising, als Sohn des Gutsbesitzers Johann Zeising, in Landsberg geboren. Seine Mutter war eine geborene Pouch. Richard Zeising besuchte das Realgymnasium in Halle, das er im Jahre 1866 mit gutem Ergebnis abschloß. Die Zeit bis zum Eintritt in den Forstdienst verbrachte er mit dem Studium der Philosophie an der halleschen Universität. Das für den Besuch der Forstakademie erforderliche Forstpraktikum absolvierte Zeising in der Oberförsterei Schleusingen. Danach verbrachte er noch einige Monate als Forsteleve in den Oberförstereien Tornau und Zoeckeritz in der Nähe seines Heimatortes Landsberg.

Von 1868 bis 1874 studierte Zeising an der Königlich Preußischen Forstakademie in Neustadt-Eberswalde und an der neugegründeten zweiten preußischen Forstakademie. In Hann Münden arbeitete Richard Zeising nach seinem Examen als Lehrer an der Forstakademie. Seit 1875 war Zeising verheiratet. Die Eheleute Zeising nahmen wohl ein Mädchen an Kindesstatt an. Zwischen 1881 und 1886 arbeitete Zeising an der Forstakademie Eberswalde und als Verwalter der Oberförsterei Biesenthal. Im Jahre 1886 wurde Zeising zum Forstmeister ernannt. Von 1896 bis 1914 war Zeising unter anderem, Stadtverordneter in Eberswalde. Mit zweiundsiebzig Jahren trat er 1919 in den Ruhestand. Die Forstliche Hochschule Eberswalde ernannte Zeising 1930 zu Ihrem Ehrenbürger. Kurz vor seinem 85. Geburtstag verstarb Richard Zeising an einem Schlaganfall.  

Bernhard Brühl (1877 - 1955), Lehrer und Museumsgründer

Bernhard Brühl kam im Jahre 1902 von Bornitz bei Zeitz als 2. Lehrer nach Gütz (OT von Landsberg). Ab 1. Oktober 1904 unterrichtete Brühl dann als erster Lehrer 170 Kinder. Um seinen Schülern einen anschaulichen Unterricht bieten zu können, begann Brühl, mit deren Hilfe, naturkundliche und historische Sachzeugen zu sammeln. Damit war der Grundstein zum Aufbau eines Heimatmuseums gelegt.

Die ersten Exponate waren vorzeitliche Steinbeile, Vogelpräparate, alte Patenbriefe, Hausrat und Spinnräder. Der große Schauschrank in der Schule wurde schon bald zu klein für die "Brühlsche Sammlung". Unter der Schirmherrschaft des Gutsbesitzers und Amtsvorstehers Troitzsch, wurde 1914 in Petersdorf (OT von Gütz) mit dem Bau eines Jugendheimes begonnen, das auch Platz für ein Museum bieten sollte. Nach zweijähriger Bauzeit konnte das Museum 1916 eingeweiht werden. Die damalige Ausstellung umfaßte die Ur- und Frühgeschichte, das Mittelalter und die Neuzeit.

Von 1917 bis 1918 nahm Bernhard Brühl am I. Weltkrieg teil. Im Jahre 1939 war Bernhard Brühl maßgeblich an Ausgrabungen am Spitzberg beteiligt, wo man eine vorzeitliche Begräbnisstätte vermutete. Bei einer Ortsbegehung im Oktober 1945, durch die Herren Brühl und Troitzsch, stellte sich heraus, das das Gützer Heimatmuseum in einem sehr schlechten Zustand war. Bestände und Einrichtungsgegenstände waren durch den II. Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Räume waren teilweise durch Flüchtlinge belegt.

Im Jahre 1954 wurde das Heimatmuseum von Gütz nach Landsberg verlagert.Im ehemaligen Sommerhäuschen des Zuckerfabrikanten Emil Schmidt erhielt die Sammlung ein neues Domizil. Im Verlauf seines Lebens verfaßte Bernhard Brühl zahlreiche heimatkundliche Schriften, unter anderem zu den Grabungen am Spitzberg. Bernhard Brühl leitete das Museum, welches heute seinen Namen trägt, bis zu seinem Tode im Jahre 1955.  

Paul Sannemann, Postmeister und Museumsgründer

Im Jahre 1930 gründete der Postmeister Paul Sannemann in Landsberg, im Eckhaus Bahnhofstraße/ Mühlgasse, ein kleines Heimatmuseum, das seine Sammlung präsentierte. Zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung legten eine Vergrößerung des Museums nahe. Der geplante Neubau auf dem Mühlberg kam jedoch nicht zustande. 1933 war Paul Sannemann an Ausgrabungen am ehemaligen Burgwall (Slawenburg) in der Kirschplantage und Weinbreite beteiligt, was ihm den Spitznamen "Scherbel-Paule" einbrachte. Mitte der 30er Jahre verließ Sannemann, wohl unter Druck, Landsberg. Das Museum wurde aufgelöst und die Sammlungsbestände gingen an die Museen in Gütz - Petersdorf und in Delitzsch.