Tourismus

Vom Handwerk zur Industrie

Steinbrüche waren in Landsberg die Lieferanten für den Eisenbahnbau

Handel und Gewerbe

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Landsberg eine Stadt der Handwerker und Gewerbetreibenden. Aus der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wird berichtet, daß "...die Stadt Landsberg ... nach dem Kriege wieder aufgebauet und mit Handwerksleuten wol besetzet" ist, "daß ihrer 32 darinne gewohnet und", daß sie "in anderthalb Hundert Jahren nicht so bewohnet gewesen als nach dem großen Kriege".

Um das Handwerk vor dem Pfuschertum auf einem gewissen Niveau zu halten, die Ausbildung von Lehrlingen und Gesellen zu regeln und nicht zuletzt durch gemeinsame Preisregelungen eine Monopolstellung zu schaffen, schlossen sich auch in Landsberg die Handwerker in Zünften bzw. Innungen zusammen. Auch der Wunsch nach stärkerer Beteiligung am Stadtregiment, von dem die Handwerker und Ackerbürger, trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit, zunächst ausgeschlossen waren, führte zur Bildung der Berufsvereinigungen.

Die Rechte und Pflichten der Innungsmitglieder waren in den Innungsstatuten verankert. Die älteste Vereinigung der Handwerker in Landsbergs war die Schmiede-Wagner-und Böttcher-Innung, die im Jahre 1618 gegründet wurde. Im Jahre 1623 bildete sich dann die Schuhmacher-Innung und im Jahre 1688 die Schneider-Innung. Die Seiler-Innung entstand im Jahre 1802.

Aus der Zeit zwischen 1856 und 1861 sind für Landsberg folgende Handwerksberufe überliefert:

Müller, Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Kürschner, Seiler, Weber, Schneider, Tischler, Stellmacher, Böttcher, Drechsler, Korbflechter, Glaser, Schmiede, Kupferschmiede, Nagelschmiede, Schlosser, Siebmacher, Klempner sowie Uhrmacher, Handschuhmacher (Beutler), Sattler (Riemer), Knopfmacher und Gerber.

Am Ende des 19.Jahrhunderts gab es in Landsberg 9 Handwerker-Innungen in den etwa 100 Handswerksmeister vereinigt waren. Diese Meister beschäftigten 43 Lehrlinge und 31 Gesellen.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie im 19.Jahrhundert setzte auch in Landsberg die Entwicklung der Industrie ein. Die Strecke Halle-Bitterfeld wurde 1859 vollendet. Dies führte zur Entwicklung einer örtlichen Industrie.

Die Landsberger Steinbrüche

Bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929, spielte der Steinbruchbetrieb eine bedeutende Rolle für die Landsberger Wirtschaft. Bei einer Gesamteinnahme der Stadt von ca. 45 000,- Mark im Jahre 1907, entfielen rund 3 300,- Mark auf Einnahmen aus den Steinbrüchen. Das der Steinbruchbetrieb bereits eine lange Tradition hatte, wird anhand einer Lehnsurkunde aus dem Jahre 1346 deutlich, in der ein "Steinberg" erwähnt wird. Im Jahre 1465 mußte ein Delitzscher Bürger wegen Beleidigung des dortigen Bürgermeisters zur Strafe in Landsberg eine Ruthe (4,5 m) Steine brechen. Am Anfang des 19. Jahrhundert begann man, die Porphyrberge um Landsberg systematisch abzubauen. Dabei wurde der Kapellenberg um die Hälfte verkleinert. Auch auf dem Pfarrberg, dem Spitzberg und vor allem auf dem Gützer Berg wurde Stein gebrochen.

Die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt. So verwundert es nicht, das beim Bau der Eisenbahnlinie sowie bei der Gründung der Zucker-und Malzfabriken Landsbergs, Gutsbesitzer die entscheidenden Kräfte waren. Um die Jahrhundertwende befand sich der größte Teil der Landsberger Flur im Besitz von 7 Großgrundbesitzern mit Gütern von je 100 bis 200 ha und 14 Mittelbauern, die 15 bis 90 ha Land besaßen. Trotz häufiger Klagen über die Lage in der Landwirtschaft, wird in einem Dokument aus dem Jahre 1855 berichtet, daß im Gegensatz zur Lage des Arbeiter-und Handwerkerstandes "...der Wohlstand unter der Ackerbau treibenden Klasse ersichtlich zugenommen hat, was sich in allen Äußerlichkeiten unzweifelhaft documentiert ..."

Eisenbahnlinie - Entstehung von Fabriken

Landsberg liegt an der Eisenbahnlinie Halle - Bitterfeld. Der Eisenbahnverkehr blickt hier auf eine über 135jährige Geschichte zurück. Die Strecke ist Bestandteil der künftigen ICE-Schnellstrecke Nürnberg-Halle/Leipzig-Berlin. Moderne Stellwerke und Signaltechnik wurden installiert. Ebenfalls wurde die Strecke völlig neu ausgebaut, um künftig Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h zu erlauben. Dabei wurden auch alle Bahnübergänge durch Brückenbauwerke ersetzt. Derartige Geschwindigkeiten waren zur Zeit des ersten Streckenbaus einfach undenkbar.

1. Feb. 1859: Die Linie Halle-Bitterfeld wird übergeben, der Streckenausbau erfolgte zunächst nur eingleisig, (10 Jahre später wurde der 2. Schienenstrang verlegt).

24.04.1876: Graf Max von Wuthenau stellt 15 000 Reichsmark zum Ausbau der Bahnstrecke zur Verfügung

Ansiedlung von Firmen im Gleisbereich

Im Zuge der Eisenbahnanbindung siedelte sich auch die erste Industrie in Landsberg an. So entstanden im Bereich der Gleisanlagen folgende Industriebetriebe.

1863 - eine Zuckerfabrik

Im Jahre 1863 wurde der Grundstein für die Landsberger Zuckerfabrik gelegt. Landsberger Gutsbesitzer gründeten sie als Genossenschaft m.b.H. Im Jahre 1946 wurde die Fabrik, im Zusammenhang mit Reparationszahlungen an die Sowjetunion demontiert. Im Jahre 1947 wurden einige Gebäude zum Aufbau der Halleschen Stahl-und Apparatebau-Gesellschaft KG (HASTAG), dem späteren VEB Transportanlagen- Montagen (TAM), genutzt. Auf dem alten Zuckerfabrikgelände gründete sich 1951 auch der VEB Maschinen-und Apparatebau Landsberg (MAB).

1871 - die Malzfabrik 

Als Aktiengesellschaft gründeten Gutsbesitzer und Kaufleute 1871 die Malzfabrik Landsberg. In den Notzeiten des II. Weltkrieges und in den ersten Jahren nach 1945 wurden die Darren zum Trocknen von Obst, Gemüse, Heil-und Gewürzkräutern genutzt sowie Roggenmalz zur Streckung von Kakao hergestellt. Im Jahre 1951 konnte dann die Malzproduktion wieder aufgenommen werden. Zur Malzfabrik gesellte sich im April 1997 die Landsberger Brauerei.

1873 - die Maschinenfabrik

Die Landsberger Maschinenfabrik entstand im Jahre 1873 als G.m.b.H. und stellte in erster Linie landwirtschaftliche Maschinen her. Mit der Umwandlung zur Bühring AG 1917/18 wurde die Produktion auf Geräte für Wärmetechnik umgestellt. Nach dem ersten Weltkrieg wurden von der Bühring AG bis 1928 Lokomotivreparaturen für die Deutsche Reichsbahn durchgeführt. Unter anderen Landsberger Firmen, war auch die Bühring AG an der Gesamtausführung des Projektes Wasserwerk beteiligt, wodurch im Jahre 1931 die ersten Wasserleitung für die Stadt entstand. Zunehmender Auftragsmangel in der Zeit der Weltwirtschaftskrise (1929-32) führte zum Konkurs der Firma.