Tourismus

Vom Bader zur modernen Schulmedizin

Geschichte des Landsberger Gesundheitswesens

Lange bevor sich der erste Arzt in Landsberg niederließ, betätigten sich mehrere Bader als Heilgehilfen. Die Bader waren ursprünglich die Besitzer von Badestuben, einer im Mittelalter weitverbreiteten Einrichtung auch in kleineren Städten. Später befaßten sich die Bader oder Barbiere auch mit der Heilkunst. Ein Bader, welcher als Heilgehilfe tätig war, benötigte eine Konzession der Landesregierung und durfte nur auf Anordnung eines zugelassenen Arztes unterschiedliche Arbeiten verrichten. Dazu gehörten: Krankenwartung, das Blutegelsetzen, Schröpfen, Aderlassen und Klistiere, Versorgung von Verrenkungen und Wunden. Am Ende des 17.Jahrhunderts waren in Landsberg die Bader Christian Riedler, Johann Friedrich Falckner und Christoph Dielßner tätig.

Zeit der Seuchen

Von den Seuchen, die bis zum Ende des 19.Jahrhunderts und gelegentlich noch im 20.Jahrhundert in Deutschland eine große Rolle spielten, hatte Landsberg vor allem mit den Pocken (Blattern), der Cholera und in frühen Zeiten besonders mit der Pest zu kämpfen.

Der Tod durch die Pocken war um 1810 in Landsberg die häufigste Todesursache. Von 42 Todesfällen waren 10 durch Pocken bedingt. Im Jahre 1827 wurde im Ort erstmals eine Pockenschutzimpfung durchgeführt. Insgesamt wurden 18 Kinder geimpft. Die Eltern hatten pro Kind insgesamt 10 Silbergroschen zu zahlen. Im Jahre 1835 wurden von den 39 Impflingen Landsbergs 15 Kinder wegen Armut der Eltern nicht geimpft.

Der Barbier Friedrich Otto, der unerlaubte Impfungen vornahm, wurde 1845 zur Zahlung von 10 Talern Geldstrafe verurteilt. Teilweise tödlich verlaufende Fälle von Cholera trafen Landsberg in den Jahren 1849, 1850, 1866 und 1873. Von geringerer Bedeutung für Landsberg waren die Infektionskrankheiten Diphterie, Scharlach und Lungentuberkulose, die nur in wenigen Fällen zum Tode führten. So gab es von 1906 bis 1924 insgesamt 137 Fälle von Diphterie, von denen 3 Fälle tödlich endeten.

Apotheken

Eine Apotheke existierte in Landsberg nachweislich seit Anfang des 18.Jahrhunderts. Im Jahre 1704 nämlich wurde dem Landsberger Apotheker Wolfgang Heinrich Götze ein Sohn geboren. Seit 1825 waren in Landsberg meist zwei Ärzte in der Stadt. Die ersten Ärzte waren Dr. med. Pouch und Dr. med. Misching. Als erste Gemeindeschwester trat im August 1906 Amanda Sack ihren Dienst in Landsberg an.

Als im Jahre 1911 eine Sanitätskolonne gegründet werden sollte, wurde dieses Vorhaben vom Rat der Stadt mit der Begründung abgelehnt, daß es schon schwer sei, "... das corps der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr vollzählig zu erhalten. Die vorhandenen Handwerker und Gewerbetreibenden gehören mehr oder weniger dem Kriegerverein oder der freiwilligen Feuerwehr an und wollen von der Übernahme weiterer Verpflichtungen nichts wissen."

Das älteste bekannte Hospital

Das Haus Walther-Rathenau-Straße 4 hat eine interessante Geschichte. Der Vorgängerbau gehörte zu den ältesten Häusern Landsbergs und wurde schon im Brandkataster von 1628 erwähnt. Hausbesitzer war zu diesem Zeitpunkt Hanns Buchenthal. Der Arzt Julius Morgenstern baute 1848 an seiner Stelle ein neues Haus, in welchem er ein kleines Hospital einrichtete. 1860 war Dr. med Morgenstern der einzige Arzt in Landsberg. Bei Umbauarbeiten nach 1990 wurde das Relief mit dem Äskulapstab gefunden. Seit der Wiederherstellung des Hauses ziert es die Fassade und erinnert so an alte Zeiten.