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"Geschichte zum Anfassen" auf dem Landsberger Kapellenberg

Hoher Besuch aus der Vergangenheit wurde am Montag, dem 24. Juli 2017, auf dem Landsberger Kapellenberg erwartet. Eine kleine Pilgergemeinschaft, angeführt von Thietmar von Merseburg (975 -1018) , Bischof und Chronist seiner Zeit, begab sich von hier aus auf die erste Etappe einer Pilgerwanderung, welche von Landsberg bis nach Alsleben führen soll. Das historische Treiben an und in der Landsberger Doppelkapelle war Teil der mehrtägigen Aktion "Thietmars Flussreise" die bereits zum dritten Mal "Von Dom zu Dom" führt. Start ist jeweils der Merseburger Dom und Endpunkt der Dom zu Magdeburg. Das geschichtstouristische Ereignis ist ein mehrjähriger Veranstaltungszyklus. Er begann 2015, dem Jahr der 1000-jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung des Merseburger Doms. Der Zyklus findet seinen Abschluss 2021, genau 1000 Jahre nach der Weihe des Merseburgers Doms durch Heinrich II.. 

Auf dem Landsberger Kapellenberg traf die Gemeinschaft auf eine kleine Gruppe Landsberger Slawen, angeführt von ihrem Dorfältesten Kasimir. Die von etwa 15 Schaulustigen verkörperten Slawen wollten auf dem Berg ihre Götter um Regen für eine gute Ernte bitten. Trotz großer Hungersnot waren die letzten Früchte zusammengesucht worden, um sie den Göttern zu Opfern. Bischof Thietmar, dessen Anliegen es war, die Slawen zur Annahme des christlichen Glaubens zu bewegen, entriss dem Anführer der Gruppe das mitgeführte Götzenbild, um es in den Staub zu treten. Er deutete lautstark zum Himmel hinauf, wo sich kein Sturm erhob und keine Strafe der heidnischen Götter ihn für diese Tat ereilte. Er ermahnte die Slawen, ihren heidnischen Opferbräuchen zu entsagen, sich dem christlichen Gott zuzuwenden und diesem zu Ehren das "Kyrie Eleison" zu singen. Die Slawen überlisteten Thietmar jedoch und sangen statt dessen "Kyrku jolsa" (slaw. "die Erle steht im Busche"). Thietmar blickte erneut zum Himmel, wo sich einige dunkle Wolken zeigten. Diese führte er als Beweis für die Existenz seines Gottes an, welcher dem Land am anderen Morgen, zur 10. Stunde, Regen bringen würde. Die Not der Slawen hätte dann ein Ende. Bischof Thietmar beauftragte den Mönch Bernhard, künftig über das Seelenheil der Landsberger Slawen zu wachen. Auch solle der zehnte Teil von Allem, was diese künftig erarbeiten würden, an seinen Kaiser Otto gehen. Über diese Vereinbarung erhielt Bernhard eine Urkunde. Zu guter Letzt zog sich Thietmar zu einer stillen Andacht in die Landsberger Doppelkapelle zurück. An der Marmorsäule verweilte er und gab den Menschen und dem Ort seinen "Segen". Er dankte ihnen für den herzlichen Empfang, über welchen er in seiner berühmten Chronik berichten wolle. Ein letzter Blick ins Umland und schon zog der hohe Besuch aus der Vergangenheit in Richtung Petersberg weiter, begleitet von 7 Schaulustigen.

 

Die Besucher der kleinen Mittelalterveranstaltung in Landsberg erlebten hier ein kleines Stück lebendiger Geschichte, sozusagen "Geschichte zum Anfassen". - Inge Fricke, Museum Landsberg -